Catering von der Schmeckerei

GEORG HAINDL

Die Haindl’schen Papierfabrik in Augsburg

Mein Name ist Georg Haindl und geboren wurde ich 1816 in Ingolstadt, meine Eltern waren aber gebürtige Augsburger. Ich begann eine Lehre bei Friedrich Pustet, der Papierhändler, Buchdrucker, Buchbinder und Verleger war. Im Anschluss leitete ich über zehn Jahre die Papiermühle von Pustet und wurde dadurch natürlich zu einem Kenner der Materie. 1848 erwarb ich mit der finanziellen Unterstützung meiner Schwiegereltern und dem Papierfabrikant Friedrich Pustet die in Konkurs gegangene Sieber’sche Papiermühle am Malvasierbach in Augsburg. Noch im gleichen Jahr startete ich wieder mit der Produktion. Mein Unternehmen lief äußerst erfolgreich und ich konnte den Umfang der Papierproduktion von 2192 Zentnern auf 25.684 Zentner innerhalb von weniger als 20 Jahren steigern. In den 1870er Jahren begannen wir dann mit der Produktion von endlosem Papier.

Innovation an erster Stelle

Ich war immer sehr an den neuesten Errungenschaften interessiert, kaufte Maschinen aus ganz Europa und übernahm weitere Papiermühlen zur Expansion meines Unternehmens. Zur Weltausstellung 1873 in Wien konnte ich Papier für die dort aufgestellte neueste Schnelldruckpresse liefern, was natürlich eine ausgesprochen gute Werbung war.

Der große Brand

Der große Schrecken kam dann 1873 ausgerechnet bei der Hochzeitsfeier meines Sohnes Friedrich mit der Münchner Brauereistochter Anna Sedlmayr: Ein Feuer brannte die neue Fabrikationshalle ab. Doch schon während des Löschen des Brandes habe ich in Absprache mit meinem Sohn Friedrich eine neue Papiermaschine in England bestellt.

Soziales Engagement

Während meiner gesamten Laufbahn als Fabrikant engagierte ich mich sehr für meine Arbeiter und Angestellten, vor allem im sozialen Bereich. Ich gründete Jahrzehnte bevor Bismarck die Krankenversicherung einführte, 1853 eine Krankenkasse für meine weiblichen Mitarbeiter, ließ ab 1872 Werkswohnungen bauen (in solch einer wohnte auch Berthold Brecht mit seiner Familie, da sein Vater in der Haindl’schen Papierfabrik beschäftigt war) und rief 1875 eine Pensionskasse ins Leben.

Fortbestand der Fabrik in Augsburg

1878 starb ich in Augsburg und die Fabrik ging an meine Söhne Friedrich und Clemens Haindl über. Bis 2001 bestand die Haindl’sche Papierfabrik in Augsburg und wurde dann von dem finnischen Unternehmen UPM-Kymmene aufgekauft. Mein Unternehmen gilt trotzdem als beispielhaft: Gegründet im Königreich Bayern, die Schwierigkeiten des Ersten Weltkriegs überwunden, die Inflation und Nazidiktatur überlebt und der Aufschwung in der Bundesrepublik. Angesichts der Globalisierung fühlte sich meine Familie dem internationalen Druck aber nicht gewachsen. Trotz des Verkaufs ist der Sitz der Fabrik in Augsburg geblieben.

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